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Expertendialog mit Axel Wilhelm - imug I rating

Veröffentlicht von Fiona Kretschmer am 29.03.2021 15:40:07
Fiona Kretschmer

Emittenten haben bereits seit längerem auf unserer Plattform die Möglichkeit ihre geplanten Schuldscheindarlehen als „green“ oder „social“ bewerten zu lassen - dank unserem Kooperationspartner imug | rating. Wir haben dem Geschäftsführer Axel Wilhelm, einige Fragen u.a. zu der Zusammenarbeit, Bewertungskriterien, aber auch Herausforderungen gestellt. Lesen Sie hier unseren ersten Expertendialog:

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit finpair?imug rating_Wilhelm_2016_1
Beide Partner hatten 2018 unabhängig voneinander den Grünen Schuldschein der enercity Erneuerbare GmbH begleitet. Bei einem der ersten persönlichen Treffen - ich meine auf der Kapitalmarkt-Konferenz der NORD/LB im Schloss Herrenhausen - wurde dann bereits die Idee einer möglichen Zusammenarbeit angestoßen, die dann zügig im Herbst 2019 in die Praxis umgesetzt wurde.

Welche Vorteile erlebt der Emittent durch die Zusammenarbeit?
imug rating ist ein etablierter Anbieter von Nachhaltigkeits-Rating und Second Party Opinions aus Hannover - in direkter Nachbarschaft zu finpair.

Insofern ist eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation zwischen den Beteiligten sichergestellt. Die Kollegen von finpair kennen unsere Anforderungen mittlerweile auch schon gut und können den Kunden in einer frühen Phase Auskunft geben.

Über die Plattform kann ein Emittent auch bereits selber prüfen, inwieweit sein Vorhaben für eine Grüne Finanzierung geeignet ist. Dass wir entsprechend der Value Proposition der finpair Plattform auch ein preislich faires Angebot für unsere nachhaltigen Services machen können, sei nur am Rande erwähnt.

Anhand welcher Faktoren bewerten Sie die Emittenten? 
imug rating orientiert sich bei der Verifizierung von grünen Schuldscheinen an den Anforderungen der international anerkannten Green Bonds Principles. Wir schauen uns zum einen den Emittenten selbst unter Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten an, zum anderen und in erster Linie analysieren wir aber die Vereinbarkeit der ausgewählten zu finanzierenden Projekte mit diesen Anforderungen.

Dazu bewerten wir Richtlinien und Prozesse zu den vier Kernkomponenten der Green Bond Principles, namentlich sind dies: die Verwendung der Emissionserlöse, die Projektbewertung und -auswahl durch den Emittenten, das Management der Erlöse und die Qualität der geplanten Berichterstattung.

Welche Herausforderungen gibt es für Emittenten in diesem Bereich?
Im Fokus einer Second Party Opinion (SPO) steht das vom Emittenten zu erstellende Green Bond Rahmenwerk: Hier wird festgehalten, welche Art Projekte über die Anleihe finanziert werden sollen, wie sichergestellt wird, dass die Gelder der Investoren korrekt verwendet werden oder über welche Kennzahlen ein ökologischer Nutzen bewertet wird. Die Materie ist - zumindest für Erst-Emittenten von Grünen Schuldscheinen - nicht trivial. Ferner ist die Beschäftigung mit den Anforderungen einer Grünen Finanzierung immer zusätzlich zu den sonstigen bestehenden Aufgaben einer Projekt- oder Unternehmensfinanzierung zu leisten.

Über die (im Übrigen relativ überschaubaren) Kosten für eine SPO hinaus entsteht also ein interner Aufwand bei der Konzeption, Datenbeschaffung und -aufbereitung, bei der Erstellung eines Rahmenwerks und der späteren Berichterstattung.

Trotz alledem - der zusätzliche Aufwand lohnt sich: Auf der Habenseite stehen ein interner Know-How-Gewinn und Marketingeffekte nach innen und außen und insbesondere die Aussicht auf eine Diversifizierung und Verbreiterung des Investorenkreises mit der Möglichkeit einer Verbesserung der Finanzierungskonditionen.

Woher glauben Sie kommt der Wandel nach mehr Nachhaltigkeit und dementsprechend auch einer grünen Finanzierungsstrategie?
Die Weiterentwicklung aller Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche entlang sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeitsanforderungen ist die große Aufgabe unserer Zeit. Der Sustainable Finance Beirat hat es in seinem jüngsten Gutachten so formuliert: Eine erfolgreiche Wirtschaft braucht ein nachhaltiges und damit zukunftsfähiges Finanzsystem.

Unsere Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nur sichern, wenn wir die wirtschaftliche Transformation finanzieren, die uns morgen eine gute Weltmarktposition verspricht – und sie kompatibel mit dem 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens und den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ist.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach Green Finance bzw. Sustainable Finance weiterentwickeln?imug gf
Die oben genannte große Transformation kann nur gelingen, wenn wir es schaffen, ausreichende Finanzströme in zukunftsfähige Investitionen umzuleiten: von der nachhaltigen Erneuerung bestehender Infrastrukturen über den Auf- und Ausbau dringend benötigter Zukunftstechnologien bis hin zum Umbau ökologisch oder menschenrechtlich problematischer Wertschöpfungsketten.

Dem Finanzsektor kommt bei der Beschleunigung eines Übergangs hin zu klimaneutralen, ressourcenschonenden und sozial verantwortlichen Wirtschaftsformen eine Hebelwirkung zu. Um die Ziele des europäischen Green Deal zu finanzieren, müssen europaweit allein bis 2030 Investitionen in der Höhe von mindestens 1 Billion Euro mobilisiert werden.

Jede neue Grüne Emission leistet einen positiven Beitrag zu dieser Entwicklung. 

Vielen Dank!

Wenn Sie Fragen rund um Green Finance bzw. Sustainable Finance haben, kommen Sie gerne auf uns zu.

Themen: Insider

Schuldschein, Plattform, Digital

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